Schichtwechsel im Steinbruch: Industriekultur hautnah erleben!
Die Industriekultur Rhein-Main präsentiert im Steinbruch Michelnau Führungen zu historischen Maschinen und Arbeitswandel vom 7. bis 19. August 2025.

Schichtwechsel im Steinbruch: Industriekultur hautnah erleben!
„Schichtwechsel“ ist das Motto der diesjährigen Tage der Industriekultur Rhein-Main, die vom 7. bis 19. August 2025 stattfinden. Der Steinbruch Michelnau ist Teil dieses bedeutenden Events und erweitert mit zwei öffentlichen Führungen das Angebot. Diese Veranstaltungen haben das Ziel, den Wandel der Arbeit in der Vergangenheit und der Gegenwart auf anschauliche Weise zu thematisieren. Am ersten Veranstaltungstag waren etwa 30 Gäste dabei, die sich für die Industrielandschaft und deren geschichtliche Entwicklung interessierten. Unter dem Augenmerk standen vor allem zwei beeindruckende Maschinen: der Holz-Derrick-Kran und die Korfmann Schrämmaschine, die zentrale Elemente der industriellen Kultur darstellen.
Die Korfmann ST 55 Schrämmaschine, die eigens für den Über- und Untertagebau entwickelt wurde, erfreut sich großer Beliebtheit. Sie ermöglicht die Gewinnung rechteckiger Steinblöcke und wurde bereits ab 1950 in Michelnau eingesetzt. Reinhold Stock, der als Experte die technischen Details erläuterte, berichtete von den beeindruckenden 11 kW Leistung (ca. 15 PS) der ST 55 sowie von ihrer Funktionsweise, bei der Gestein geschliffen wird. Ein baugleiches Modell wurde sogar aus einem Kalkwerk in Österreich gewonnen, während das Original dieser Maschine heute in Italien zu finden ist.
Die Faszination von Maschinen und Stein
Ein weiteres Highlight war der Holz-Derrick-Kran, der 1952 erbaut wurde, um einen Vorgänger aus den 1920er Jahren zu ersetzen. Er kann bis zu 5 Tonnen bewegen und hat einen Antriebsmotor mit 15 kW Leistung. Mit 360 Metern Stahlseilen ausgestattet, waren die technischen Möglichkeiten anfangs sogar auf über 7 Tonnen ausgelegt. Die Douglasienstämme, aus denen der Kran gefertigt wurde, stammen von Bäumen, die 2012 in der Umgebung gefällt wurden. Stock stand den Besucher:innen Rede und Antwort und war besonders für die Fragen der Kinder zu geologischen Aspekten des Steinbruchs offen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Michelnauer Stein bereits seit 1846 in der Niddaer Tageszeitung „Intelligenzblatt“ erwähnt wird. Johannes Weisel aus Michelnau bot feuerfeste Steine für Backöfen und Feuerstellen an, was die hohe Nachfrage nach diesem Material unterstreicht. Der Michelnauer Stein wird vor allem im Hausbau als Mauerstein sowie als Schmuckstein für Tür- und Fenstergewände verwendet. Auch in der Bildhauer- und Steinmetzkunst hat er sich einen Namen gemacht, da die Qualität für viele Künstler von höchster Bedeutung ist.
Ein Erbe für die Zukunft
Die Bemühungen um die Dokumentation des industriellen Erbes sind noch lange nicht abgeschlossen. Laut Berichten sind viele historische Objekte, darunter Gedenksteine und Altäre, bislang nicht vollständig wiederentdeckt worden. Der Steinbruch Michelnau trägt mit seinen Führungen und der Bewahrungstechniken wesentlich dazu bei, diese Geschichte am Leben zu halten.
Besuchen Sie den Steinbruch Michelnau und lassen Sie sich von der Industriekultur im Herzen Hessens inspirieren! Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten von FNP und Steinbruch Michelnau. Sehen Sie auch, wie Sie sich aktiv in die Diskussion über unseren kulturellen und industriellen Alltag einbringen können auf Industrie-Kultur.