Reitvereine in Not: WM 2026 als Rettungsanker für Butzbach?

Transparenz: Redaktionell erstellt und geprüft.
Veröffentlicht am

Der Reit- und Voltigierverein Butzbach, größter Reitverein der Wetterau, bereitet sich auf die WM 2026 in Aachen vor.

Der Reit- und Voltigierverein Butzbach, größter Reitverein der Wetterau, bereitet sich auf die WM 2026 in Aachen vor.
Der Reit- und Voltigierverein Butzbach, größter Reitverein der Wetterau, bereitet sich auf die WM 2026 in Aachen vor.

Reitvereine in Not: WM 2026 als Rettungsanker für Butzbach?

Der Reit- und Voltigierverein Butzbach, der größte Reitverein in der Wetterau, hat mit seinen etwa 270 Mitgliedern einen besonderen Platz in der deutschen Reitlandschaft. In Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften im Pferdesport, die im August 2026 in Aachen stattfinden werden, stehen die regionalen Reitvereine vor großen Herausforderungen. Laut einem Bericht von FAZ ist die Situation für viele Reitvereine angespannt, besonders wenn man den Rückgang der Mitgliederzahlen in den letzten zehn Jahren betrachtet: von 690.200 auf aktuell 657.994.

Ein Grund für diese besorgniserregende Entwicklung sind die Schwierigkeiten bei der Anwerbung neuer Mitglieder und die hohen Preise für Schulpferde. In Deutschland gibt es zurzeit 7031 Reitvereine, was einen Rückgang von 7593 im Jahr 2015 bedeutet. Besonders beim Reiten müssen Interessierte oft lange auf einen Platz in einer Reitschule warten – im Durchschnitt 4,4 Monate. Und zwar nicht nur im Raum Butzbach, wo bis zu 15 Mädchen in der Voltigierstunde auf dem neu angeschafften Schulpferd Calio trainieren – einem Pferd, das Dank des Wettbewerbs „100 Schulpferde plus“ finanziert wurde. Calio kostete den Verein 5000 Euro, eine Investition, die im Verein als wichtig für die Förderung des Reitsports angesehen wird.

Die Bedeutung von Schulpferden

Sina Fend, die Vorsitzende des Vereins, hebt hervor, wie wichtig Schulpferde nicht nur für die Ausbildung der Reitschüler, sondern auch für den gesamten Reitbetrieb sind. Die Suche nach geeigneten Schulpferden gestaltet sich jedoch als schwierig, da viele Züchter den Fokus auf Sportpferde legen. Dies führt dazu, dass die Preise für gut ausgebildete Schulpferde gestiegen sind und fünfstellige Summen erreicht haben. Auch die Zahl der Schulpferde ist während der Corona-Pandemie um etwa 10.000 gesunken, was die Lage zusätzlich verschärft.

Der Verein Butzbach hat aktuell acht Schulpferde, aber Thomas Ungruhe von der FN warnt, dass 20-30% der Betriebe, die Schulpferde bereitstellen, schließen könnten, falls sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Fend und ihr Team engagieren sich nicht nur ehrenamtlich für die Ausbildung der Reitschüler, sondern auch für die der Pferde. Jedoch scheint die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen insgesamt zurückzugehen. Statistiken des Deutschen Olympischen Sportbundes zeigen, dass rund 17,6% der Vereine durch den Mangel an Ehrenamt bedroht sind.

Ausblick auf die Reit-WM 2026

Die Weltmeisterschaften 2026 in Aachen könnten dabei helfen, das Interesse am Reitsport neu zu entfachen und eine positive Welle für die Reitvereine auszulösen. Viele hoffen, dass durch solche Großevents mehr Menschen für das Reiten begeistert werden können. In Butzbach verfolgt man deshalb genau, wie sich die Dinge entwickeln. Schließlich muss der Reitsport in seiner Vielfalt erhalten bleiben, und Schulpferde sind dabei keine unwesentliche Größe. Der Verein hofft auf eine stärkere Unterstützung von Öffentlichkeit und Sponsoren, um die Herausforderungen gemeinsam zu meistern.

Für das Pferdesport- und Reittherapiezentrum, das unter anderem von der Gold-Krämer-Stiftung unterstützt wird, bleibt es entscheidend, den Zugang zu Reiterlebnissen zu ermöglichen und dabei inklusive Angebote regelmäßig auszubauen. Daher wären alle Interessierten, die mehr über die Angebote erfahren möchten, herzlich eingeladen, sich auf der Website der Gold-Krämer-Stiftung zu informieren.

Wie sich die Situation für die Reitvereine weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass ohne die Schulpferde der Reitsport in seiner Vielfalt ernsthaft bedroht ist. Daher ist es wichtig, dass alle Akteure im Reitsport jetzt die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam anpacken.