Eltern der Hanau-Opfer kämpfen vor dem Verfassungsgericht um Gerechtigkeit
Eltern der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, um Ermittlungen durchzusetzen.

Eltern der Hanau-Opfer kämpfen vor dem Verfassungsgericht um Gerechtigkeit
Am 22. November 2025 versammelten sich zahlreiche Menschen, um an den fünften Jahrestag des rassistischen Anschlags von Hanau zu gedenken. Unter ihnen waren die Eltern von Hamza Kurtović, einem der neun Mordopfer. Sie werfen den Ermittlungsbehörden vor, nicht ausreichend die Hintergründe der Tat untersucht zu haben. Wie Deutschlandfunk berichtet, haben die Eltern in den letzten Monaten alles daran gesetzt, um Gerechtigkeit für ihren Sohn und die anderen Opfer zu erzielen.
Im Oktober 2025 unternahmen die Eltern den Versuch, durch eine Klageerzwingung neue Ermittlungen zu erwirken. Doch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies ihre Anträge als unzulässig zurück. Diese enttäuschende Wendung ließ die Familie jedoch nicht aufgeben: Sollte ihr Fall vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern, planen sie, ihn bis vor den Europäischen Gerichtshof in Straßburg zu bringen.
Ermittlungsversagen und Verantwortlichkeiten
Ein zentrales Anliegen der Familie ist die Untersuchung der Verantwortlichkeiten rund um den Angriff, bei dem am 19. Februar 2020 ein 43-jähriger Deutscher in einer shishabar neun Menschen mit ausländerfeindlichen Motiven ermordete, bevor er seine Mutter tötete und sich selbst das Leben nahm. Besonders die Umstände, die zur verzögerten Alarmierung der Rettungskräfte führten, stehen im Fokus. Hamzas Vater, Armin Kurtović, kritisiert unter anderem die unzureichende Ausstattung des Notrufsystems und sieht verschiedene Personen in der Verantwortung. Dazu zählen auch Polizeibeamte und der Betreiber der Arena Bar, deren Zugang zum Notausgang während der Tat verschlossen war, was als tragischer Umstand angesehen wird, der viele Leben hätte retten können.
„Wir haben ein Recht auf Aufklärung“, sagt Kurtović, während er das Versagen der Behörden anprangert. Nach den bisherigen Ermittlungen erhofft sich die Familie nun Klarheit durch das Bundesverfassungsgericht. Die Beschwerde, die sich auf eine frühere Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts stützt, richtet sich gegen die Nichteinleitung von Ermittlungen gegen beteiligte Beamte und Verantwortliche der Arena Bar. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte durch seine Ablehnung neuer Ermittlungen die verfassungsrechtliche Schutzpflicht nach Ansicht von Strafrechtsprofessor Dennis Bock missachtet, wie hessenschau berichtet.
Besonders brisant ist die Behauptung, dass der Betreiber der Arena Bar möglicherweise auf Anweisung der Polizei den Notausgang regelmäßig verschlossen hielt. Diese Ansicht wird von der Polizei und dem Barbetreiber bestritten, doch es gibt einen Zeugen, der diese Anordnung bezeugen kann. Diese Aussichten auf einen neuen Prozess motivieren die Familie, weiter zu kämpfen und für eine umfassende Aufklärung der Tragödie einzutreten.
Der Weg zur Gerechtigkeit
Wie die Familie von Hamza Kurtović zeigt, ist der Weg zur Gerechtigkeit oft steinig und mühsam. Die Verfassungsbeschwerde wurde mittlerweile beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, und die Entscheidung steht noch aus. Sechs Jahre nach dem Anschlag und trotz der vermeintlichen Rückschläge bleibt das Ziel klar: Die Aufklärung der Taten und die Sicherstellung von Verantwortlichkeiten. Ob der Weg über Karlsruhe oder letztlich nach Straßburg führen wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die Stimmen der Hinterbliebenen werden nicht verstummen.