
In Gießen plant der Magistrat eine ehrende Umbenennung eines Platzes nach dem Komponisten Toni Hämmerle, dem Schöpfer des populären Karnevalsliedes „Humba, humba Täterä“. Der Platz zwischen dem Gebäude der Justus-Liebig-Universität und dem ehemaligen Finanzamt könnte künftig als „Toni-Hämmerle-Platz“ bekannt sein. Der Vorschlag soll der Kommission für Straßen- und Platzbenennungen zur Prüfung vorgelegt werden, wie die FAZ berichtet.
Hämmerle, geboren 1914, war nicht nur ein talentierter Musiker und Pianist, sondern auch ein engagierter Komponist, dessen Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er sein Augenlicht verlor, an der Justus-Liebig-Universität in Gießen neue Wege fand. Hier arbeitete er in der Telefonzentrale und wurde bald ein fester Bestandteil des Gießener Fassenachtsvereins. Sein größter Erfolg, das Lied „Humba Täterä“, wurde 1963 veröffentlicht und ist vor allem in Mainz und Gießen ein beliebter Hit.
Ein Ort mit Geschichte
Sein Lebenswerk wird nicht nur durch die geplante Platzbenennung gewürdigt. Eine Büste von Hämmerle, die am 10. April 2019 enthüllt wurde, steht in der Stephanstraße, direkt vor dem ehemaligen Finanzamt, wo er einst arbeitete. Die Bronzebüste, geschaffen von Bildhauer Alf Becker, wurde durch Förderer wie Dr. Reinhard Kaufmann und Dieter Gail finanziert. Bei der Enthüllung waren neben seiner Witwe Christina Hämmerle und der Sängerin Margit Sponheimer auch zahlreiche Gießener Bürger anwesend.
Der Giessener Allgemeine zufolge spielt die Beziehung zwischen Hämmerle und diesem Platz eine große Rolle: Er lebte und arbeitete dort, was durch einen Leserbrief zusätzlich untermauert wird. Zudem betont Heinrich Brinkmann, ein Nachbar und Unterstützer, Hämmerles soziales Engagement und sein bedeutendes Lebenswerk.
Die Diskussion über die Umbenennung führt auch zu einer politischen Debatte. Die politische Gruppe Gigg/Volt hat einen Antrag eingereicht, der fordert, den Platz nach einer weiblichen Persönlichkeit zu benennen. Sie setzen sich für eine Bürgerbeteiligung ein, um eine Liste möglicher Namensvorschläge zu erstellen. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Konflikt entwickelt und ob Hämmerle letztlich geehrt werden wird.
Vermächtnis und Anerkennung
Toni Hämmerle starb 1968, nur wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag. Sein Erbe lebt jedoch weiter, nicht zuletzt durch die Liebe und Unterstützung seiner Witwe Christina, die den Blick auf die Büste von ihrem Fenster aus genießen kann. Das mögliche Gedenken an Hämmerle im Jahr 2025, seinem 111. Geburtsjahr, hätte für die Fastnachter eine symbolische Bedeutung. Neben seinen bekannten Liedern komponierte Hämmerle auch die Operette „Studentenstreiche“, die 1954 uraufgeführt wurde, und arbeitete mit namhaften Künstlern wie Ernst Neger und Margit Sponheimer zusammen. Seine musikalischen Leistungen und sein Engagement für die Gießener Kultur hinterlassen deutliche Spuren in der Stadt.