
Am 2. April 2025 präsentierten Andreas Köck und Oliver Klein, die Gründer der Entosolutions GmbH, ihre Vision für die Nutzung von Insektenprotein in der Landwirtschaft. Die Veranstaltung fand in der Ortslandwirteversammlung in Frischborn statt. Ihr Ziel ist es, den Vogelsbergkreis als Modellregion für Insektenprotein aus Bauernhand zu etablieren. Unterstützt werden sie dabei von der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie dem Fraunhofer-Institut.
Der Kreislandwirt Andreas Kornmann bezeichnete das vergangene Jahr als „ereignisreich“ und betonte die Notwendigkeit politischer Veränderungen, um die Bürokratie zu reduzieren. In diesem Zusammenhang äußerte Michael Ruhl, Staatssekretär im Hessischen Landwirtschaftsministerium, Sorgen über klimatische Bedingungen und Tierseuchen, zeigte sich jedoch optimistisch hinsichtlich der EU-Agrarpolitik und einem Bürokratieabbau.
Insekten als nachhaltige Proteinquelle
Insekten könnten bald eine zentrale Rolle in der nachhaltigen Landwirtschaft übernehmen. Diese Ansicht wird durch das EU-finanzierte Projekt SUSINCHAIN gestützt, das Industrie, Regierung und Wissenschaft zusammenbringt, um die Herausforderungen im Insektensektor zu bewältigen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung von Risikomanagementstrategien, Verarbeitungstechnologien und geeigneten Geschäftsmodellen. Die Forschung zeigt, dass Insektenprotein nicht nur eine kostengünstige Alternative darstellt, sondern auch minimale Anreicherung von Toxinen und Krankheitserregern innerhalb der Zuchtinsekten festgestellt wurde, was ihre Sicherheit als Futtermittel erhöht.
Osthessen News berichtet, dass das Unternehmen Entosolutions plant, tierisches Protein im Schweinefutter durch Insektenprotein zu ersetzen, was einen weiteren Schritt in diese Richtung darstellt.
Ein zentrales Element des Projekts sind zwei Reallabore, in denen die Insektenzucht in Echtzeit analysiert wird. Diese Maßnahmen sollen helfen, Engpässe in der Produktion zu identifizieren und zu beseitigen. Standardisierte Protokolle wurden eingeführt, um die Vergleichbarkeit der Forschungsergebnisse zu gewährleisten. Ziel ist es, die Fragmentierung der europäischen Insektenforschung zu überwinden, die als ein bedeutendes Hindernis für die umfassende Nutzung von Insektenprotein angesehen wird.
Politische Unterstützung und Herausforderungen
In seinem Angriff auf Tierrechtsaktivisten betonte Landrat Dr. Jens Mischak die Notwendigkeit für eine Veränderung im Umgang mit landwirtschaftlichen Betrieben. Er fordert ein Ende der verkrusteten bürokratischen Strukturen und ein klares Signal von der Bundesregierung, das die Leistungsgerechtigkeit in der Landwirtschaft unterstützt. Auch die neue Gesetzgebung zum Thema Tierwohl und die Rolle der Tierhaltung in der Ernährungssicherheit waren Themen der Diskussion.
Die Landesregierung bekennt sich klar zur Tierhaltung und hat Unterstützungsmaßnahmen für regionale Schlachtstätten angekündigt, während gleichzeitig die Initiative „Trendwende Wolf“ im hessischen Jagdrecht eingeführt wurde, um den Herdenschutz zu stärken. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Landwirtschaft, trotz ihrer Herausforderungen, auf einem Weg der Transformation und Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten ist.
Im Vogelsbergkreis gibt es derzeit 1310 Landwirte, und es ist das erklärte Ziel von Entosolutions und den lokalen Akteuren, diese Zahl langfristig zu halten und auszubauen. Die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, könnten so in innovative Lösungen verwandelt werden, die nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Umwelt zugutekommen.